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Astronomische Seeschlacht um London

Niemals still stehen, immer neues entdecken. Segen sowie Fluch des Doktors und des Professors. Eine unserer absoluten Lieblingsdestinationen ist selbstverständlich eine DER Städte der realen Welt – London.
Natürlich war unser Aufenthalt minuziös durchgeplant – oder auch nicht. Spass beiseite: Wir sind stets auf Abenteuersuche und gehen gerne mal abseits der Wege auf die Suche nach neuen Lieblingsplätzen.
Wir sehen in unserer Erzählung ab von Standard besuchen, die durchaus stattgefunden haben. Um es jedoch kurz anzuschneiden: Forbidden Planet, TokyoToys, etc…

Um euch nicht zu langweilen, geht es in unserer Nacherzählung nur um einen ziemlich runden und schönen Tagesausflug.
Unsere Reise beginnt in unserem Hotel – direkt neben dem „Natural History Museum“. Wie der Titel vermuten lässt holten wir uns an der nächsten Strassenecke ein Cab und fuhren damit nach Greenwich in das Royal Observatory. Die Fahrt war wie immer sehr Angenehm – die Freundlichkeit der Cabbies ist dabei äusserst entspannend – zumindest wenn man nicht in einen Stau fährt; dann sind auf einmal alle ausserhalb des schwarzen LTI TX4 (in besagten Falle rosa) „bloody idiots, drunken bastards“ etc. Wir führen das an dieser Stelle weder aus, noch übersetzen wir diese lyrischen Worte. Es war natürlich noch früh, somit hatten wir auch keinen Stau und auch keinen cholerischen Anfall des Fahrers – wie gesagt ruhig und entspannt.

Das Royal Observatory ist ein ganzes Stück ausserhalb der Stadt. Viele Grünflächen umrahmen dieses wunderbare Gebäude und verleihen dem ganzen einen majestätischen Glanz. Die Geschichte um dieses Gebäude prägte unsere heutige Welt enorm – Greenwich ist der Null-Meridian, von dort aus wurde die Welt eingeteilt in Längen und Breitengrade. Die Seefahrt – der Handel – die Entdeckung unseres Planeten wurde in diesem Gebäude revolutioniert. Im Innern wurden verschiedenste Astrologische Instrumente ausgestellt, so dass man einen Eindruck bekam, wie die damaligen Mathematiker, Seefahrer, Astrologen und sonstige Kluge Köpfe sich mit ausgeklügelten Mitteln der Welt Herr machten. Zu unserer Verzückung gab es eine kleine Sonderausstellung zu einem unserer Lieblingsthemen – Steampunk. Die Ausstellung nannte sich treffend: „Longitude Punk’d“. So wurden diverse künstlerische „Artefakte aus einer nie stattgefundenen Vergangenheit“ ausgestellt, welche sich auch mit dem Entdecken der Längen und Breitengrade befassten. Die einen Exponate waren Clever und durchdacht, andere eher mit einem Augenzwinkern zu verstehen; wie zum Beispiel das Kiwi-Navigationssystem welches damals mit dem vom Aussterben bedrohten Kiwi funktionierte. Fasziniert von all dem Ideenreichtum und den wirklich enorm grossen Teleskopen, sowie die Vorrichtungen um diese zu bewegen, entschlossen wir uns dem nächsten Ziel dieses Tages zu widmen.

Wir schlenderten durch die riesige Parkanlage in Richtung der Themse. Vor uns tat sich hinter den vielen laublosen Bäumen ein grosses Gebäude auf: Das National Maritime Museum. Der Name verrät schon, dass es sich hier um die Schifffahrt dreht, der Entdeckung der Welt, einer der Grundsteine der heutigen Welt, der rote Faden unseres Ausflugs. Wir hatten bis anno dato nur davon gehört, dass es eines der besten seiner Art sein soll. Nach einigen Minuten darin waren selbst wir, und wir haben definitiv schon einiges gesehen, überwältigt. Von Schiffen und Schiffsteilen, über die Theorie der Schifffahrt, Originalen Schiffsrumpffiguren, die East India Company, einfach alles was sich in Jahrhunderten auf See abgespielt und von Interesse war. Wir hatten sogar das Glück diese wunderbare Sonderausstellung „The Quest for Longitude“ ansehen zu dürfen. Hier wurde im Detail gezeigt, wer mit welchen Instrumenten zu welchen Schlüssen gelangte um die Welt zu kartographieren. Uns gefielen natürlich die ausserordentlich schönen Uhren, welche auf den Schiffen verbaut wurden um Messungen zu ermöglichen – das Zauberwort ist erschütterungsresistente Mechanik und absolute Exaktheit. Diese Detailverliebtheit und dieses Handwerk – Traumhaft. Natürlich haben wir uns im Souveniershop eingedeckt – diese Abenteurerzeit von Pionieren und Denkern war für uns beide absolut beflügelnd.

Der Hunger trieb uns leider wieder in die Winterkälte. Weiter Richtung Themse fanden wir eines dieser absoluten Schmuckstücke unter den Pubs, das „Kings Arms“. Motto getreu und aus der Regionalen Küche bekannt, bestellten wir selbstverständlich Fish&Chips mit einem Pint Guinness. Genau das richtige in diesem Moment, köstlich zubereitet, in einem absolut genialen Ambiente.

Gestärkt und voller Tatendrang war unser nächstes Ziel die „Cutty Sark“, Ein Segelschiff welches wunderschön restauriert auf einem Platz genau vor dem Greenwich Pier steht. Eine Perle aus vergangenen Tagen, in deren Holz man noch immer den Herzschlag der See spürt. Man hört beinahe schon die Abenteuer nach einem Rufen. Nach mehrmaliger Überprüfung haben wir dann doch feststellen müssen, dass wir das Schiff so nicht mitnehmen oder kapern konnten. So liessen wir die Cutty Sark zurück und nach einigen Diskussionen über den weiteren Verlauf der Reise (Strasse oder Wasserweg) bestiegen wir die Themse Fähre. Unsere Zielstation war der Tower of London. Die Fahrt war unverhofft ruhig und so gar nicht Schifffahrtsmässig und nach wenigen Themse-Schlänkern hatten wir auch schon unser Ziel erreicht.

Diese faszinierende Stadt hat aufgrund ihrer Schönheit definitiv auch ihre schlechten Seiten; Touristen überall – in grosser Zahl vor allem an gewissen Ballungspunkten vertreten. Um es anders auszudrücken war der wunderbare Tower of London so überfüllt, dass wir es lieber auf einen anderen Ausflug verschoben haben, eben jenen zu besichtigen. Dafür aber haben wir – Wie es Touristen eben so tun, uns mit der Tower Bridge im Hintergrund abgelichtet – Was muss das muss.

Wir entschieden uns London weiter zu Fuss zu erkunden. So legten wir die die allgemeine Richtung Westen fest und liefen los. So entdeckten wir das Monument to the Great Fire of London – ein Teil der Geschichte Londons der auch absolut spannend ist, falls ihr euch für Geschichte und oder London interessieren solltet. Wir schlenderten weiter über die London Bridge und sahen uns architektonische Meisterleistungen wie das Shakespeare’s Globe sowie die Millennium Bridge (Die Brücke die im letzten Teil der Harry Potter Filme von den Anhängern Voldemorts zerstört wird) und andere zahlreiche schöne Gebäude an.

Schlussendlich kamen wir bei einer Ansammlung von Höhepunkten an, dem London Eye – Westminster Bridge (Wusstet Ihr, dass beim richtigen Sonnenstand das Licht so durch das Geländer geworfen wird, dass auf der Brücke lauter Phallusse liegen?) – Houses of Parliament - Big Ben – Westminster Abbey – Vicoria Tower und unzähligen anderen Bauten und Statuen, Denkmälern, etc. Das London Eye war natürlich auch bis zum Brechen voll, so labten wir uns an der genialen Architektur des Westminsterviertels.

Mittlerweile wurde es auch schon Abend und die nächste Mahlzeit stand an. Der Professor kann etwas – ungehalten – werden wenn er Hunger hat. Eine Reise zurück zum Hotel im Kensington-Viertel um uns zu erfrischen und schon ging es zurück auf die Strasse. Ohne grossen Plan liefen wir los, wie immer stets auf der Suche nach Neuem, Absurdem, Verrücktem… so kam es, dass wir nach einigen geschlossenen Restaurants an einem Schaufenster vorbeischlenderten, welches vollbehangen war mit Fleisch. Es sah auf den ersten Blick aus wie eine Metzgerei und wir waren schon fast vorbei, als dem Professor aufgefallen ist, dass Leute darin sitzen, sowie eine Menükarte neben der Türe hing – typisch, alter Carnivore, kann die Augen nicht vom Fleisch lassen. Wir konnten also beide nicht widerstehen und traten ein. Auf der linken Seite tat sich ein Tresen auf, welcher jede Feinkost-Metzgerei vor Neid erblassen liesse. Ein grosser und breiter Metzger stand dahinter und bearbeitete einige sehr schöne Stücke. Wir wurden herzlichst empfangen und an einen Tisch geführt. Das interessante an der Lokalität war, dass es definitiv früher eine Metzgerei war – dafür gab es verschiedenste Anzeichen, wie die gekachelten Wände. Sehr Charmant war auch, dass jeder Tisch anders war; Salontische, Schulbänke und Sideboards wurden als Tisch verwendet. Genauso verhielt es sich auch mit den Stühlen. Alles war auf eine brachiale, rudimentäre Art und Weise, beinahe behelfsmässig präsentiert. Aber dies alles andere als schludrig, sondern wohl durchdacht und geschmackvoll umgesetzt. Am Tisch angekommen bekamen wir die Karte; Eine Art Gazette im Stil des frühen 20. Jahrhunderts. Darin fanden sich allerhand Leckereien – auf Fleischbasis – Selbstverständlich. Auffällig waren natürlich die Dry-Aged Beef Karte, in welcher man nicht nur die Fleischsorte, sondern auch die Lagerungsdauer (von 25 Tagen bis 50 Tage), sowie das Gewicht bestimmen konnte. Dies erklärte den Metzger vom Eingang; Einmal bestellt, hörte man von oben das Handwerk (Fleisch vom Knochen), und eine kurze Zeit später wurde einem das Fleisch roh präsentiert. Die Beilagen ausgesucht und wieder eine kurze Wartezeit später wurde einem der Himmel auf Erden aufgetischt. So genial hatten wir schon lange nicht mehr gegessen – und haben seither auch nur sehr weniges auf diesem Level essen dürfen. Damit ihr euch selbst davon überzeugen könnt, geben wir euch gerne noch den Namen und die Adresse dieses Restaurants: Macellaio’s / Macelleria an der 84 Old Brompton Road in Kensington. Das nötige Kleingeld solltet ihr aber einpacken – Dry Aged Beef ist zu einem fairen Preis auf der Karte – dieser liegt aber weitaus höher als die üblichen „Steaks“. Wenn es dazu noch ein Wein sein soll, von der absolut durchdachten und wohl bestückten Weinkarte, kann das ganze doch schön ins Geld gehen. Aber jedes Pfund lohnt sich. Dazu stehen wir.

Glücklich und vollgefressen machten wir uns zurück auf den Weg zum Hotel, um uns die redlich verdiente Nachtruhe zu gönnen.

Fin

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